Eine Chronik schreibt nur,
wem die Gegenwart wichtig ist.
Johann Wolfgang von Goethe
Jägercorps Neuss-Furth 1932 e.V.
Am Pfingstsonntag, dem 16. Juni 1947, als noch niemand an ein öffentliches Schützenfest auf der Furth dachte, obwohl schon viele sich mit diesem Gedanken beschäftigten, war das damalige Komitee mit vielen ehemaligen Schützen nebst ihren Frauen im Saal der Gaststätte von Peter Vaeßen, auf der Kaarster Straße, seinerzeit “ Kakadu “ genannt, zusammengekommen, wo man unter anderem fröhlich auch das Tanzbein schwingte.
Unter ihnen waren auch viele Mitglieder der Further Kolpingfamilie, wovon einige mit dem Gedanken spielten, einen Schützenzug zu gründen. Gegen Mitternacht, die Stimmung muss recht toll gewesen sein, wollte eine Schar junger Leute, es waren die, die auch im Februar 1948 den Jägerzug “ Kolpings Eiche “ gründeten, dem damaligen Präses der Kolpingfamilie Kaplan Andreas Pfeiffer eine Parade erweisen.
So marschierten sie also über die Kaarster Straße zur Venloer Straße, wo der Präses wohnte. Angeführt wurde der Zug mit einer “decken Tromm”. Dahinter in bunter Folge die Schützen mit ihren Frauen und Bräuten und alles, was sich dem Zug noch angeschlossen hatte. So eine dicke Trommel (Überschlagtrommel) war damals ein sehr rarer Artikel und zudem die Stiftung eines Further Geschäftsmannes, worauf natürlich auch alle sehr stolz waren.
In Höhe der Gladbacher Straße passierte dann das Unglück. Wie aus heiterem Himmel stand das Auge des Gesetzes vor ihnen. Sie alle hörten schon an der Stimme, dass es kein Neußer war. Er sprach den für alle beteiligen den unvergessenen Satz: “Ich muss das Instrument zwecks Verhütung weiterer strafbarer Handlungen einziehen!” Das Ausgesprochene des Wachtmeisters war für alle unfassbar und so begann der Kampf um die decke Tromm. Nach mehrmaligem hin und her zerren der decken Tromm, denn sie ließen sie sich nicht so ohne weiteres abnehmen, zudem hatten ja alle tüchtig dem Knollenschnaps (Eigenbrand) zugesprochen, nahm das Verhängnis seinen Lauf. Mit einem meisterlichen Griff, der jedem Ringer Ehre gemacht hätte, hatte der Präses die decke Tromm in seinem Hausflur sichergestellt. So viel allen ein schwerer Stein vom Herzen, denn so war doch die decke Tromm gerettet. Der Präses nahm die Sache auf sich und ließ durch den Wachtmeister an den damaligen Polizeikommissar, der für die Furth zuständig war, einen schönen Gruß bestellen. Der Wachtmeister hatte sich zwischenzeitlich längst an das Further Schützenfest gewöhnt und machte fortan in jedem Jahr kostenlos ein Bild, seiner Freude, vom Jgz. Kolpings Eiche.
Am Sonntag, dem 10. August 1947 setzten sich einige Männer der Neußer – Furth zusammen. Sie hatten vor, in der Pfarrgemeinde St. Josef wieder die St. Sebastianus – Schützenbruderschaft ins Leben zu rufen. Man war sich auch bald einig und die Gründung war sozusagen beschlossen. Anschließend wurden Leo Wenke zum 1. Vorsitzenden und Carl Götzen zum 2. Vorsitzenden gewählt. Jedoch war dieses Ansinnen mit sehr vielen Problemen verbunden, doch die Männer um Leo Wenke waren fest entschlossen, die Hürden zu meistern. So begann, wenn auch langsam und schwerlich, der Neuaufbau des Further Schützenwesens, wobei die Interessen vieler Further recht groß waren.
An einem kalten Sonntagmorgen im Januar 1948, trafen sich diverse Herren auf der 1. Etage der Götzen – Mühle auf der Kaarster Straße, wozu eigens Platz geschaffen war um das Jägercorps Neuß – Furth wieder ins Leben zu rufen. Es waren:
Hermann Becker, Josef Breuer, Hans Fuß, Albert Goebels, Jonny Götzen, Matthias Hartings, Josef Klaes, Hans Küster, Hans Möllersmann, Hubert Peiffer, Heinz Ringes, Heinrich Scheulen, Adam Schmitz, Martin Thissen, Leo Wenke, Peter Wimmers und Willi Wimmers.
Bald war man sich einig und somit das Further Jägercorps wieder existent. Hierbei sei noch erwähnt, dass sich die Jägerzüge: Mer dont möt und Gute Freunde aus der Vorkriegszeit schon wieder formiert hatten.
Vollzogen wurde die NEUgründung am Sonntag, dem 1. Februar 1948 in der Gaststätte Knuppertz, auf der Neersenerstraße, später Ansbacher Hof und heute Mc. Donalds. (Anmerkung Online-Redaktion: Irgendwie muss dieses Fleckchen Erde der Gastronomie auf immer und ewig zugesprochen sein.)
Im Juli 48 fand dann die 1. Jahreshauptversammlung des Jägercorps statt. Anwesend waren die drei Jägerzüge “Mer dont möt”, “Gute Freunde” und “ Kolpings Eiche “. Die Wahlen fielen wie folgt aus: 1. Vorsitzender – Martin Thissen, 1. Kassierer Hans Fuß, 1. Schriftführer Matthias Hartings. Die Wahl des Jägermajors wurde vertagt, wollte man doch die Rückkehr von Johann Scheulen aus der Gefangenschaft abwarten. Anschließend wählten die Chargierten Peter Becker vom Jgz. “ Gute Freunde “ zum Jägerhauptmann.
Der Jägerzug von Lützow wurde nicht wieder gegründet. Der Name von Lützow rührt von einem Freiheitshelden aus den napoleonischen Freiheitskriegen um 1813. Um 1926 war die Besatzung aus dem Rheinland abgezogen und viele Deutsche pflegten danach noch den Nationalstolz.
An den Pfingsttagen, dem 16. und 17. Mai 1948 fand das 1. so genannte Schützenfest der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Neuß-Furth wieder statt. Es begann am Pfingstsonntagmorgen mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Josef, dem sich eine Gefallenenehrung anschloss.
Danach marschierte man in Zivil zu einer Feierstunde ins Lokal von Heinz Konnertz auf der Kaarster Straße, das spätere Gasthaus Hensen. Am Abend traf man sich wieder zum Tanz im Gasthaus, wobei die Jägerzüge Mer dont möt, Gute Freunde und Kolpings Eiche das Jägercorps bildeten.
Die Lustbarkeiten, sprich Buden auf dem Rummelplatz an der Viersener Straße zum Eingang vom Jröne Meerke fielen sehr bescheiden aus, dennoch waren ein beachtlicher Besuch zu vermelden.
Dem Jägerzug Kolpings Eiche,
aus dem im Verlauf der Jahrzehnte viele Akteure des Jägercorps hervorgingen, sei an dieser Stelle eine besondere Widmung zugesprochen. Die damaligen Gründer waren:
Heinrich Fornacon, Theo Gehlen, Herbert Hennesen, Mathias Hilgers, Wilhelm Hilgers, Fritz Lenzen, Hans Lenzen, Clemens Odenthal, Hans-Hubert Odenthal, Ernst Patzhold, Heinz Ringes, Heinrich Scheulen, Jakob Schmidt, Theo Schmidt, Günter Schönberg und Heinz Voermans.
Chronik Jägercorps Neuss – Furth 1932 e.V.
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