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wem die Gegenwart wichtig ist.


Johann Wolfgang von Goethe

Chronik
Jägercorps Neuss-Furth 1932

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Der 7. Oktober 1932 war für das Further Schützenwesen in zweifacher Hinsicht von Bedeutung.

Nach langen Bemühungen trafen sich 38 Männer im Lokal Brand auf der Gladbacher Straße/Ecke Römer Straße mit dem Ziel, das Schützenfest auf der Furth wieder aufleben zu lassen. Die Behörden hatten ihr Einverständnis signalisiert und so gründeten diese 38 Männer die Sankt Sebastianus-Schützenbruderschaft Neuß-Weißenberg 1932.

  • Folgende Gründer sind namentlich bekannt:
    Peter Ackers, Hermann Brockers, ? Fließgarten, Carl Götzen, Josef Gräf, ? Heidek, Wilhelm Heidel, Matthias Hensen, Peter Hensen, Heinrich Horn, Jean Ibach, Karl Kammerich, Heinrich Klaff, Pfarrer Karl Kremer, Wilhelm Odenthal, Wilhelm Rennefeld, ? Scholz, Jacob Scholzen, ? Steinhauer, Peter Stelten, Leo Wenke und Johann Wolf.


Ein provisorischer Vorstand wurde gewählt, wobei zwei Männer beauftragt wurden, Pfarrmitglieder mit einer Liste zum Einschreiben aufzusuchen.


Am gleichen Tag gründete sich auch das

Jägercorps Neuß-Furth 1932

und es folgte im November 1932 die


Gründungsversammlung

Es nahmen u. a. teil:
Hermann Becker, Franz Bienefeld, Josef Breuer, Peter Cremerius, Hans Fuß, Albert Goebels, Hermann Kemper, Hubert Mentzen, Hubert Pfeiffer, Johann Scheulen, Adam Schmitz, Engelbert Schmitz, Martin Thissen und Leo Wenke.

Es bildete sich der erste

Vorstand

  Jean Ibach 1. Vorsitzender
  Hubert Mentzen Kassierer
  Leo Wenke Schriftführer

Am 20. November 1932 fand bereits im Saal von Willi Paar, dem Lokal Lauvenburg, auf der Kaarster Straße, die erste Vollversammlung der Bruderschaft statt. Der Beitrag war auf monatlich 20 Pfennig festgesetzt, wobei die Einschreibung auf 10 Pfennig festgelegt wurde.

Am 11. Dezember 1932 traf sich die Bruderschaft zur Gründungsversammlung mit Feier im Saal vom Lokal Streitberg, auf der Kaarster Straße, wo auch der Generalpräses Dr. Louis anwesend war. Zuvor fand ein Levitenamt für die Bruderschaft statt. Mittlerweile zählte die Bruderschaft schon 195 Mitglieder.


Am 17. Dezember 1932 fand eine Jägercorpsversammlung statt, hierbei wählte man u.a. die

Corpsführung:

  Johann Scheulen Jägermajor
  Michael Nagelschmid Adjutant
  Albert Goebels Hauptmann
  vom Jgz. Immergrün  

In der Zwischenzeit gründeten sich bereits nachfolgende

Jägerzüge

  Jägerhauptmannszug Hauptmann Albert Goebels
  Immergrün Oberleutnant Johann Möllersmann
    Feldwebel Heinrich Günther
    Hönes Bernhard Wieschmann
 
  Jugendschützengruppe Führer Leo Wenke
    Leutnant Toni Sieben
    Feldwebel Engelbert Schmitz
    Fahnenschwenker Franz Bienefeld
    Fahnenschwenker Josef Bongartz
 
  Jgz. Gute Freunde Oberleutnant Johann Hohnrath
    Leutnant Willi Bonnen
    Feldwebel Willi Wimmers
    Hönes Peter Ackers
 
  Berittene Jäger Oberleutnant Christian Blomenkamp
    Leutnant Josef Knops
    Feldwebel Adolf Junkers
    sowie Engelbert Kluth
      Jakob Scheidt
      Konrad Scheidt
      Peter Scheidt

1939

Am Sonntag, dem 30. Juli 1939 traf sich das Jägercorps um 14.00 Uhr beim Jägermajor Johann Scheulen auf der Kaarster Straße. Von hier begann bald darauf der jährliche Ausmarsch zum traditionellen Wanderpreisschießen.

So marschierte das Jägercorps mit Marschmusik und in strammer Marschformation bei herrlichem Wetter zum Schießstand der Gaststätte Knuppertz in Kaarst. Alle Jägerzüge waren vertreten und kaum ein Jäger fehlte. So konnte der Wettbewerb auch bald beginnen, der nicht nur recht spannend war, sondern auch einen sehr interessanten Verlauf nahm. Der Jgz. Bröcker Jonge konnte bei diesem Wettstreit nicht mehr an seine Erfolge der beiden letzten Jahre anknüpfen.

Sieger des Wanderpreisschießens wurde in diesem Jahr der Jgz. Gute Freunde, dicht gefolgt vom Schützengildezug, die nur sehr knapp hinter ihnen lag. So konnte Olt. Willi Wimmers freudig die Wanderpreiskette in empfang nehmen, die ihm Jägermajor Johann Scheulen umlegte und gleichzeitig dem Zug gratulierte.

Als bester Einzelschütze trug Willi Spix, mit 35 Ringen, vom Jgz. Gute Freunde den Sieg davon.

Anschließen pflegte man noch bei einem geselligen Beisammen die Kameradschaft.

Am frühen Abend marschierte das Jägercorps in strammer Marschformation und guter Stimmung mit entsprechender Marschmusik wieder zur Furth zurück, wobei die meisten Jägerzüge den Tag in ihren Vereinslokalen gemütlich ausklingen ließen.


1. September 1939

Der wohl schwärzeste Tag in der deutschen Geschichte, (beginn des 2. Weltkrieges mit dem Angriff des Deutschen Reichs auf Polen) setzte auch den Aktivitäten des Further Schützenwesens ein jähes Ende.

Die Schützen der Stadt Neuß konnten zwar noch ihr Schützenfest feiern, obwohl einige Schützen während den Umzügen aus den Reihen ihrer Kameraden gezogen wurden, um ihre “Pflicht für Volk, Vaterland und dem Führer zu erfüllen”. Wurde der Beginn des 1.Weltkrieges noch mit Jubel und Begeisterung begrüßt, war Ende August 1939 hiervon nichts mehr zu spüren. Die Erinnerungen daran, wie es 1918 endete, waren noch zu frisch.

Geschichtliches

1940 wurde ein Einsatzflughafen auf der Lauvenburg errichtet. Am Rande des Flughafens, in Höhe Brücke / Broichseite als auch am Jröne Meerke wurden u. a. Flak – und Scheinwerferstellungen eingerichtet. Bei Angriffen von Feindflugzeugen lieferten sie mit ihrem Abwehrfeuer ein imposantes Schauspiel, wobei man ihnen auch Erfolg zollte. Alleine in Kaarst standen an die 50 Geschütze. Von hier aus wurden Einsätze nach Holland und Frankreich geflogen.

Folgende Geschichte zeigt, dass auch unter widrigen Umständen die Further ihr Heimatfest nicht so einfach vergessen. So waren 1940 der Further Regimentskönig von 1935/36 Dr. Josef Schäfer, der seiner Zeit auch Komiteemitglied war, zusammen mit dem Jägermajor Johann Scheulen während des Westfeldzuges in Frankreich in einer Sanitätskompanie stationiert. Am Pfingstmontag ließ der Oberstabsarzt Dr. Schäfer die Kompanie antreten und sagte dem Unteroffizier Johann Scheulen, er solle sich auf ein Pferd setzten. Auf dessen verdutzte Frage, warum, antwortete Dr. Josef Schäfer dann verschmitzt: “ Wir haben auf der Furth Schützenfest, und wenn wir sonst schon nichts haben, was uns an die Heimat erinnert, sollst du wenigstens als Jägermajor reitend die Front abnehmen.” Dies ließ sich Johann Scheulen nicht zweimal sagen, schwang sich in den Sattel und ritt los. In der Zwischenzeit erklärte Oberstabsarzt Dr. Schäfer der Kompanie die Sachlage und alle machten begeistert mit. Es machte allen Spaß, war dies doch für alle eine recht willkommene Abwechslung.

Als nach 2 Jahren Krieg mit verblüffendem Erfolg der Vormarsch auf Moskau im eiskalten Winter 1941/42 stecken blieb und die Kirchen ihre Glocken zum Einschmelzen abgeben mussten, nahm 1942/43 hier dann auch der Luftkrieg zu. Die Gefährdung der Zivilbevölkerung durch Luftangriffe wurde immer größer, wobei ab dem Sommer des Jahres 1944 ständig mit Luftangriffen zu rechnen war. Anfang des Jahres 1945 waren es sogar täglich mehrere sehr stake Luftangriffe und die Bevölkerung konnte sich kaum noch auf die Straßen und Felder wagen. Hierzu zählten auch die so genannten gefährlichen “ Teppichabwürfe “. Nützlich hierbei waren die vielen Kleinbunker, in denen die Bevölkerung Schutz fand. Auf der Furth standen und stehen zum Teil heute noch sieben dieser Art.

  1. Venloer Straße
    zwischen Schabernackstraße und Jostenallee
  2. Ecke Wilhelmstraße und Im Niederfeld
  3. Venloer Straße
    zwischen Neußer Weyhe und Gladbacher Straße
  4. Zwischen Gladbacher Straße
    und Nibelungenstraße, in Höhe der heutigen Tankstelle
  5. Viersener Straße zwischen Straße
    Am Jröne Meerke und dem Eingang zum Jröne Meerke
  6. Kreuzung Brückerfeldstraße
    und Stingesbachstraße
  7. Ecke Josefstraße und Römerstraße
    stand ein großer, überirdischer Bunker.


Ende 1. Teil

Chronik Jägercorps Neuß – Furth 1932

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